Das falsche Leben

Warum geschieht ausgerechnet mir das? Ich denke, dass das eine Frage ist, die sich bereits viele Menschen gestellt haben. Denn irgendwie fühlt sich das Leben nie so wirklich richtig an. Immer gibt es etwas, das in der Gegenwart stört. 

Es gibt Probleme, Herausforderungen oder Schwierigkeiten. Ständig kommen Fragen wie: »Warum ich? Wann verändert sich endlich mein Leben? Warum werden andere bevorzugt?«

Es sind Fragen, die kein Ende finden. Ein Fass ohne Boden, wenn man so möchte. Dabei spreche ich aus Erfahrung. Denn auch bei mir fühlte sich das Leben nie richtig an. Ständig hatte ich das Gefühl, dass ich das falsche Leben lebe. Das, was ich mir herbeisehnte, war nämlich noch nicht da. 

Es war einfach nicht das Leben, das ich wollte. Wo war der Erfolg, den ich mir herbeisehnte? Wo war das Glück, das ich empfinden wollte? Wo war die Beziehung, die ich führen wollte? Alles fühlte sich sehr weit entfernt an. Und die Entfernung wurde immer größer, während ich versuchte, die Lücke zu schließen.

In diesem Buch finde ich bestimmt die Lösung. Vielleicht steckt in diesem Podcast die Antwort auf meine Probleme. Länger und härter arbeiten könnte eine Veränderung herbeiführen. Ich treffe mich weniger mit meinen Freunden, denn vielleicht beeinflussen die mich zu sehr. 

Was ich auch versuchte, es war aussichtslos. Bin ich denn zum Unglücklichsein verdammt?

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich diese Frage mit Ja beantwortet. Denn ich identifizierte mich mit dem, was ich erlebte. Dass Projekte verschoben wurden, nahm ich persönlich. Wenn ich eine Absage erhielt, nahm ich es persönlich. Wenn ich keine Rückmeldung mehr von jemandem erhielt, nahm ich es persönlich. Wenn ich in einem Spiel verlor, nahm ich es persönlich. Ja, sogar wenn die Ampel auf Rot schaltete und ich stehen bleiben musste, nahm ich es persönlich. Aber auch, wenn eine Rechnung nicht pünktlich überwiesen wurde, nahm ich es persönlich. Und so versuchte ich eben diese Lücken mit diversen Handlungen zu schließen. 

Das war mein Leben. Aber eigentlich auch nicht. Denn das, was ich als Leben bezeichnete, waren im Grunde Umstände, die ich erlebte. Und da ich mir diese Umstände zu eigen machte, wurde ich immer unglücklicher. Zugleich entwickelte sich eine zunehmende Angst vor der Zukunft. Doch die eigentliche Angst, die ich zu ignorieren versuchte, war die Angst vor der Akzeptanz der Gegenwart. Denn wer bin ich, wenn ich auf einmal die Umstände nicht mehr zu meinem Leben mache? 

Eigentlich der, der ich wirklich bin. Ein Mensch, der lebt, der Freude erfahren möchte, der genießen möchte, der wirklich präsent ist. Und ich würde fast so weit gehen, dass jeder Umstand genau dafür genutzt werden kann. Schließlich ist das der einzige Punkt, den ich gerade in meinem Leben habe. 

Ryan Holiday formulierte es einmal so: »Dieser Moment ist nicht mein Leben. Er ist ein Moment in meinem Leben.«

Wie würdest du dich jetzt also fühlen, wenn du jegliche Interpretation deines Lebens für einen Moment vergisst?

PS: Während ich diesen Artikel schrieb, hörte ich »Hold the Phone« (Kategorie: Grooves, High Neural Effect) auf brain.fm.

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Gedanken auf einer Alm zum Thema Frieden